Flynn ist nicht gerade ein durchschnittlicher 27-Jähriger - in vielerlei Hinsicht. Ein normaler Mann seines Alters hat keine 10.000 Taler auf seinen Kopf ausgesetzt, führt keine geheime Persona neben seinem Alltag und wird nicht von jeglichen Söldnern in San Valdura gesucht. Man möchte meinen, dass man es sich genau überlegt, bevor man solch eine Karriere enschlägt - allerdings hatte der Crime Boss nicht wirklich eine Wahl. Und das jahrelange Herumtreiben in San Valduras Kriminellenszene hat auch seine Spuren auf ihm hinterlassen.
Generell begegnet Flynn einem mit einer gesunden Portion Misstrauen - welches auch schwer ist zu überwinden. Selbst, wenn er einem nicht feindlich gesinnt ist, ist es schwer sich nicht von seinem resting bitch face einschüchtern zu lassen - ein Lächeln oder gar Lachen ist ihm nur schwer zu entlocken und wenn nur als Provokation gemeint. Trotz seiner relativ geringen Größe ist er von jahrelanger Arbeit muskulös gebaut und seine Ausstrahlung schafft es, alle Augen in einem Raum auf ihn zu ziehen. Genau diese Erscheinung ist etwas, was er unerbittlich pflegt - nur selten erlaubt er es sich, diese Mauern, die er um seine Empathie gezogen hat fallen zu lassen.
Triggerwarnung: Flynns Geschichte erhält einige härtere Themen, wie Ausnutzung, Sexarbeit und Tod
Sein Leben lang hat Flynn sich als Waisenjunge verstanden - und das obwohl er das garnicht ist. Das Phantom wuchs in einem Waisenhaus in der Oberstadt auf, welches sich durch Spenden Überwasser hielt. Seine Eltern gaben ihn auf der Durchreise dort ab, da er ihnen als 3-jähriges Kleinkind bei der Weiterreise behindert hätte. Dies erfuhr Flynn erst, als er die Direktorin des Waisenhauses, Frau Escuella, danach fragte. Während seinem Aufenthalt in Escuellas Waisenhaus wurde er als billige Arbeitskraft zum Spendeneintreiben verwendet - stundenlang verteilte er Flyer und Cookies in den wohlhabenden Nachbarschaften und schwafelte etwas von "Celeste segne euch!". Nicht selten wurde er dabei Opfer von Überfällen, die ihn die gesammelten Spenden oder gar die Cookies wieder abnahmen. Sein Glauben an die Schutzpatronin verlor dadurch mit der Zeit immer mehr fruchtbaren Boden.
Nur ein Jahr nachdem der Untergrund entstanden war ging das Waisenhaus an den Folgen dessen pleite und Madame Escuella verscherbelte ihr letztes Hab und Gut auf dem Schwarzmarkt, um selbst dem Untergrund irgendwie fernzubleiben - darunter zählte auch der 12-jährige Flynn, der von einem jungen Bordellinhaber als billiger Nachrichtenüberbringer erworben wurde. Die ersten paar Jahre waren für den Teenager nicht sonderlich schlimm - sie unterschieden sich nicht sonderlich von der Arbeit, die er zuvor erledigt hatte. Doch mit zunehmendem Alter wurde ihm auch "richtige Arbeit" aufgezwungen und damit begann ein Zeitraum, den Flynn im Nachhinein wohl als die "schlimmste Zeit seines Lebens" bezeichnen würde.
In dieser Zeit verbrachte der mittlerweile 17-Jährige meist in den Straßen der Unterwelt, fern von dem Bordell. Nach und nach sammelt sich eine Gruppe von sowohl jüngeren als auch älteren Kindern und Jugendlichen um ihn, die mit ähnlichen Dingen im Untergrund zu kämpfen haben. Gemeinsam stromern sie durch die Stadt und finden Möglichkeiten, die Wohlhabenderen zu beklauen. In diesem Zeitraum beginnt Flynn, seine Kunden zu beklauen und das Geld zur Seite zu legen, um seiner Situation zu entkommen. Nach einiger Zeit des Sammelns kauft er sich einen heruntergekommenen Laden in einer Seitengasse und schleicht sich zur späten Stunde aus dem Haus, um dorthin zu entkommen. Mithilfe seiner Bande bleibt er dort über Wochen versteckt, in denen das Bordell die gesamte Unterwelt nach ihrem mittlerweile teuren Asset durchkämmt.
Nach einiger Zeit muss Flynn feststellen, dass es ganz schön teuer ist, sich selbst und eine Gruppe Straßenkinder über Wasser zu halten. Das Result sind immer größere und wagemütige Coups - Ladenüberfälle, Viehdiebstahl und Postkutschenraub. Die wagemutigen Aktionen sorgen unter anderem dazu, dass der Sheriff auf die Gruppierung aufmerksam wird und ein vorerst geringes Kopfgeld ausschreibt. Darauffolgend werden einige von Flynns nahen Freunden gefasst. Wutentbrannt plant der Gruppenanführer ihren bisher waghalsigsten Plan: Die Befreiung aller Gefangenen aus dem Kittchen. Doch es kommt, wie es kommen musste - irgendetwas läuft schief und schlägt wie ein Domino-Effekt auf die gesamte Aktion um. Ein Feuer bricht aus und verbrennt die noch eingesperrten Gefangenen und einige andere involvierte Crew Mitglieder am lebendigen Leibe - auch Flynn muss seine Narben von diesem Tag davon tragen. Auf den verkohlten Wänden des Gefängnisses prangte - tiefrot und noch nass von der Farbe - das rote Auge der crimson eyes.
Nach dem Brand zerstreuten sich Teile der Bande und Flynn baute das Phantom auf, um sich selbst und die Gruppierung zu schützen. Er schwor sich, nie wieder so einen fatalen Fehler zu begehen und die Sicherheit der frisch getauften Crimson Eyes über alles zu stellen.
Das Scarlet Phantom ist wohl in der ganzen Stadt bekannt - ein dunkelroter Hut, ein vermummtes Gesicht und schwarzes Totenkopfmake-up gepaart mit einem langen roten Mantel. Eine Gestalt, die Fensterläden schließen lässt und es vermag eine Grabesstille über die sonst so belebten Straßen der Unterwelt zu legen. 10.000 Taler ist das Kopfgeld, welches auf das Phantom ausgesetzt ist - eine deftige Summe, die von der Verzweiflung der Gesetzeshüter zeugt. Sämtliche Söldner und Kopfgeldjäger haben es auf das Phantom abgesehen - ein weiterer Grund, warum die Geheimhaltung seiner Identität dem jungen Mann mehr als nur wichtig ist. Selbst die mittlerweile wieder stattliche Anzahl an Crimson Eyes hält ihn für ein normales Mitglied - einen Dieb und Tagelöhner, wie jeder andere von ihnen. Nur seine engsten Vertrauten, der Kopf der Schlange, kennt seine wahre Identität. Personen, denen er vertraut, wie sonst niemandem. Jeder von ihnen wäre jederzeit bereit, für ihn zu sterben und diese Gewissheit erleichtert das sonst so schwere Herz des Phantoms.
Flynn war nie eine Person, die viel Wert auf Hab & Gut legte. Er hatte nie viel und hat sich daran gewöhnt, mit dem nötigsten auszukommen. Das wichtigste in seinem Besitz ist seine Remington Army 1858 - eine Pistole die er einem Offizier stahl, der das Bordell besuchte. Sie war das erste wirklich wertvolle, was er jemandem stahl und er hängt sehr an ihr - obwohl ihr Modell vermutlich längst überholt ist. Außerdem hat Flynn einen Straßenhund adoptiert - ein Mischlingsrüde namens Martini. Nicht oft ist er zu Pferd unterwegs - das löst in der Unterwelt zu viel Aufsehen aus - aber sein Paint-Horse Muddy erwartet ihn treu, wenn er es benötigt. Die wenigen Pferde der Crimson Eyes befinden sich meist in den Ställen - bei gutem Klima oder wenn sie bald benötigt werden, werden sie aber auf einer Savannenwiese außerhalb der Stadt gehalten.
Interviewer: Flynn, es ist mir eine Ehre, hier im staubigen Saloon von San Valdura mit dir zu sitzen. Die Leute sprechen viel über dich, aber es gibt nur wenige, die wirklich wissen, wer du bist. Was kannst du uns über dich erzählen?
Flynn: *zieht nachdenklich an seiner Zigarette, bevor er spricht* Nun, in diesen Teilen bin ich einfach Flynn, ein Mann, der sich seinen Platz in dieser rauen Welt erkämpfen musste. Manche nennen mich einen Rumtreiber oder einen Vagabunden. Mir ist es egal, wie die Leute mich sehen. Wichtig ist, dass ich die Zügel in der Hand halte, über mich, über meine Leute und über das, was wir hier aufbauen.
Interviewer: Du bist in einer Gegend aufgewachsen, die wohl kein Ort für ein Kind ist. Wie war deine Vergangenheit?
Flynn: *lehnt sich zurück, den Blick in die Ferne gerichtet* Hart? Das ist eine Untertreibung. Meine Eltern? Haben mich abgegeben, als wäre ich nichts weiter als ein Klotz am Bein. Wuchs in Armut auf, wo ich von einem Waisenhaus zum Bordell weitergereicht wurde. Dort hab ich gelernt, dass das Leben keine Gnade kennt. Alles, was ich habe, habe ich mir mit meinen eigenen Händen erkämpft *signalisiert eindeutig, dass er das Thema nicht mehr besprechen will.
Interviewer: Irgendwann hast du dich dann freigekämpft und die Crimson Eyes gegründet. Aber es gibt da noch das „Scarlet Phantom“, eine Legende, die in San Valdura die Runde macht. Was steckt hinter dieser Maske?
Flynn: Das Phantom? *ein kurzes, humorloses Lächeln huscht über sein Gesicht* Das ist mehr als nur eine Verkleidung. Es ist eine Legende, die Angst einflößt, eine Gestalt, die man in der Dunkelheit fürchten sollte. Aber es ist auch mein Schutz. Wer das Phantom sieht, kennt nicht den Mann dahinter. Und das ist es, was mir erlaubt, hier in San Valdura die Fäden zu ziehen, ohne dass jemand wirklich weiß, was ich vorhabe.
Interviewer: Das klingt einsam. Gibt es Menschen, denen du vertraust, auf die du dich verlässt?
Flynn: Vertrauen ist hier draußen in der Wüste ein seltener Luxus. Aber ich habe meine Crew, die Crimson Eyes. Sie sind meine Familie, nicht durch Blut, sondern durch das, was wir gemeinsam durchgestanden haben. Es gibt ein paar, wie Cole oder Nolan, die mehr über mich wissen als andere. Aber wahre Verbündete sind rar, und ich halte meine Karten nah an der Brust.
Interviewer: Was treibt dich an, Flynn? Was hält dich am Leben in dieser wilden, unbarmherzigen Welt?
Flynn: *lässt den Rauch langsam entweichen und blickt ernst* Sicherheit. Für mich und meine Leute. Hier draußen, wo das Gesetz nur eine Kugel entfernt ist, musst du stark sein oder du gehst unter. Ich will nicht einfach nur überleben. Ich will die Kontrolle haben, die Regeln bestimmen. Solange meine Crew sicher ist und wir den Überblick behalten, habe ich alles, was ich brauche.
Interviewer: Danke, Flynn. Deine Geschichte ist ein Beweis dafür, wie weit ein Mann gehen kann, um in dieser erbarmungslosen Wüste zu überleben.
Flynn: *nickt knapp, seine Augen funkeln scharf* Keine Ursache. Aber denk daran, was wir hier besprochen haben, bleibt zwischen uns. In diesen Landen kann ein Wort mehr als nur Staub aufwirbeln.